Die Nordzufahrt: Auch ein Nutzen für die Velofahrenden?
Die letzten Hürden für den Bau der Nordzufahrt sind mit der Abweisung der Einsprachen und Beschwerden beseitigt. Die IG Velo Zug erkundigte sich deshalb beim Kanton, welche Auswirkungen die Nordzufahrt auf die Velofahrenden hat.

Die Nordzufahrt bringt den Verkehr von der Autobahnausfahrt Baar/Zug direkt via Kreisel Neuhof ins Gartenstadt quartier.
vj: Können Sie uns über den Stand der Planung und die vorgesehene Realisierung der rund drei Kilometer langen Kantonsstrasse informieren?
Bruno Christen: Der Bereich Autobahnanschluss bis Ochsenhof wird vom Mai 2007 bis ca. Frühling 2009 gebaut. Die Etappe vom Ochsenhof bis zur Aabachstrasse wird ab 2008 in Angriff genommen und bis Ende 2009 abgeschlossen sein.
vj: Wird die Nordzufahrt über einen Velostreifen verfügen? Wie wird dieser ausgestaltet?
Roland Konrad: Vom Knoten Süd-/Weststrasse bis zum Kreisel Neuhof ist keine Veloinfrastruktur vorgesehen, da dieser Abschnitt von Velofahrenden auch nicht benutzt wird. Vom Kreisel Neuhof bis zur Unterführung Radweg Schleifi ist ein separater, baulich abgetrennter Rad- und Fussweg ostseitig geplant. Und von der Unterführung Schleifi bis zur Aabachstrasse wird es sich um einen Mischverkehr handeln beziehungsweise hier stehen separate Fuss- und Radwege auf anderen Strassenzügen zur Verfügung.
vj: Wird an bestimmten Punkten eine sichere Querung der Nordzufahrt für Velofahrende und/oder Fussgänger möglich sein?
Stefan Bürgler: Ja, und zwar beim Knoten Schochemühlestrasse wird eine Lichtsignalanlage eine sichere Querung garantieren. Bei der Schleifi wird eine Rad- und Fusswegunterführung realisiert und bei den restlichen Knoten sind Velofurten parallel zu den Fussgängerstreifen vorgesehen.
vj: Welche Änderungen werden die Velofahrenden auf der Baarerstrasse durch die Realisierung der Nordzufahrt erfahren.
Bruno Christen: Direkte Auswirkungen werden sich auf der Baarerstrasse für die Velofahrenden keine einstellen. Zur Zeit ist eine Betriebs- und Gestaltungsstudie Zuger-/Baarerstrasse in Bearbeitung, die auf die veränderten Verkehrsströme und die zu erwartenden Verkehrsabnahmen im nördlichen Teil der Zuger-/Baarerstrasse reagiert.
Stefan Bürgler: Es gilt zu beachten, dass die Zuger-/Baarerstrasse keine kantonale Radstrecke ist, dass sich aber je östlich und westlich, meist von den anderen Strassenzügen abgetrennter Rad- und Fussweg besteht. Die Velozählung 2005 hat gezeigt, dass die Bedeutung dieser Strasse deutlich abgenommen hat. Spezielle Massnahmen für die Velofahrer sind mit dem heutigen Stand der Betriebs- und Gestaltungsstudie nicht geplant. Das Abbiegen und Queren soll aber durch einen Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn deutlich erleichtert und damit sicherer und komfortabler werden.
vj: Die Unterführung bei der Feldstrasse wird vergrössert und die Autofahrten auf der Feldstrasse werden zunehmen. Der Baarer Fussweg als wichtiger Radweg von Zug nach Baar quert die Feldstrasse. Wie wird eine sichere Querung der Velofahrenden über die Feldstrasse weiterhin ermöglicht?
Roland Konrad: Ja, der Baarer Fussweg wird im Bereich der Feldstrasse näher zu den SBB-Geleisen verlegt. Dies ermöglicht, den Baarer Fussweg mit einer eigenen Überführung für Fussgänger und Velofahrer kreuzungsfrei über die Feldstrasse zu führen und damit diese Querung bedeutend sicherer als heute auszugestalten.
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vj: Die Aabachstrasse wird mit einem Riegel für die Autofahrenden versehen und das Gartenstadtquartier somit von Norden erschlossen. Wie sieht es mit der Durchlässigkeit für Velofahrende von Süden her in die Aabachstrasse und Weststrasse aus. Sind hier sichere Querungen vorgesehen?
Roland Konrad: Eine sichere Querungsmöglichkeit zur Weststrasse wird in Zusammenhang mit der Fussgängerquerung in diesem Bereich realisiert. Da sich der Knoten Aabachstrasse/Weststrasse genau auf der Perimetergrenze der Nordzufahrt befindet, ist diese Querung in Zusammenarbeit und Koordination mit der Stadt Zug zu lösen.
Stefan Bürgler: Die Durchlässigkeit zur Aabachstrasse ist für Velofahrer und Fussgänger zu gewährleisten. Die detaillierte Ausgestaltung dieser Zufahrt für Velofahrer ist noch Gegenstand weiterer Abklärungen und hängt auch vom Bauvorhaben zwischen der Gartenstadt und der Aabachstrasse entlang der Nordzufahrt beziehungsweise von der definitiven Ausgestaltung der Lärmschutzwand im Bereich Aabachstrasse/Gartenstadt ab.

Kreuzung Baarer Fussweg mit der Feldstrasse, welche mit einer Überführung nachher eine sicherere Lösung verspricht
vj: Beim schweizweit durchgeführten Veloklimatest rangiert die Stadt Zug bei den Städten mit unter 100'000 Einwohnern auf Rang 3. Die Velofahrenden haben gesamthaft die Note 3.81 vergeben. Die schlechteste Benotung mit 2.62 erhielt die Stadt Zug für die sichere und bequeme Gestaltung der Baustellen. Wie wird während der Bauszeit diesem Umstand vor allem beim Baarer Fussweg und der West- und Aabachstrasse Rechnung getragen?
Bruno Christen: Sämtliche Bauvorgänge oder Verkehrsführungen in Baustellenbereichen unterliegen den Anforderungen der Qualitätssicherung. Verkehrsführungen - auch für Velofahrer und Fussgänger - sind Themen der regelmässigen Bausitzungen. Verantwortlich für die Signalisation und Markierungen im Baustellenbereich sind die Planungsbüros bzw. das Polizeiamt der Stadt Zug. Während der Sperre der Feldstrasse werden entsprechende weiträumige Umleitungen für Velofahrende via Lindenpark-/Baarerstrasse bzw. via Gubelstrasse signalisiert. Grundsätzlich können Velofahrer ausserhalb der Baustellenbereiche zirkulieren; falls notwendig werden Provisorien eingerichtet.
vj: Haben Sie Anliegen an die Velofahrenden oder weitere wichtige Informationen im Zusammenhang mit dem Bau der Nordzufahrt?
Stefan Bürgler: Trotz allen Bemühungen können in Baustellenbereichen nicht sämtliche Situationen vorhergesehen werden. Von allen Seiten braucht es sicher Verständnis für gewisse Einschränkungen oder allfällige Umwege. Ausserdem sind auch die Velofahrenden gebeten, Baustellenbereiche mit der gebotenen Vorsicht und einer entsprechenden Rücksichtnahme zu befahren. Velofahrende sollten sich auch frühzeitig die Routenwahl überlegen und dabei "grossräumig" denken, um Baustellenbereiche umfahren und die allfällig notwendigen Umwegfahrten minimieren zu können.
Die Fragen stellte Astrid Estermann. Die Antworten stammen von Stefan Bürgler, Velobeauftragter im Amt für Raumplanung, Bruno Christen, Projektleiter Nordzufahrt im Tiefbauamt, sowie von Roland Konrad, Projektleiter Veloinfrastruktur im Tiefbauamt.
Die Fragen stellte Astrid Estermann. |