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Neuartige Verkehrsführung beim Kreisel Bahnhof Zug 

oder


Ab durch die Mitte
 

Im Herbst 2005 wurde der Kreisel auf der Kreuzung Gubelstrasse-Dammstrasse in Zug definitiv umgestaltet. Gleichzeitig wurden die Spuren für Autos, Busse und Velos neu festgelegt. Die neue Verkehrsführung hat bei zahlreichen Velofahrenden Verunsicherung ausgelöst. Die IG Velo fragte deshalb bei den Planern des Kreisels nach, wie sie die Situation einschätzen.

Beim Kreisel westlich des Bahnhofs Zug wurde eine neue Linienführung für die drei Verkehrsmittel Auto – Bus – Velo eingeführt. Drei getrennte Spuren führen bis zum Kreisel: Links die Fahrbahn für die Automoblisten, rechts für die Busse, dazwischen ist ein Radstreifen markiert. Diese Lösung führt zu unklaren Vortrittsregelungen beim Kreisel und löst bei Radfahrern Gefühle des „Eingeklemmtseins“ zwischen Bus und Autos oder Lastwagen aus.

Eine nicht repräsentative Umfrage bei anderen IG Velo Regionalgruppen hat ergeben, dass eine solche Linienführung bisher unbekannt ist. Getrennt geführte Spuren werden normalerweise einige Meter vor dem Kreisel aufgehoben und sämtliche Verkehrsteilnehmer zusammen auf den Kreisel hingeführt. Das Fahrrad spurt dabei gegen die Mitte der Fahrbahn vor dem Kreisel ein, damit es von den hinten kommenden Fahrzeugen nicht überholt wird.

In Zug ist es auch bei anderen Kreiseln üblich, die Fahrradspuren bis zum Kreisel zu ziehen. Mit der Busspur ist nun eine neue Dimension hinzugekommen.

Stefan Juch von der Verkehrsplanung und Paul Rosenberg von der Verkehrssicherheit der Stadt Zug begründen die vorliegende Verkehrsführung damit, dass die Velofahrer mit der jetzigen Markierung am wenigsten behindert und von allen Verkehrsteilnehmenden besser gesehen werden. Die vorliegende Lösung wurde mit dem Amt für Raumplanung des Kantons Zug, den Zuger Verkehrsbetrieben und dem Amt für öffentlichen Verkehr abgesprochen. Fahren die Velofahrenden auf Radstreifen ganz rechts, so werden sie von den Automobilisten und vor allem den Buschauffeuren beim Rechtsabbiegen im toten Winkel schlecht gesehen. Fahren hingegen die Busse rechts, haben deren Chauffeure den ganzen Rad- und Autostreifenbereich immer im Überblick.

Bezüglich der Radstreifenanordnung zwischen dem motorisierten Individualverkehr und der Busspur sind die Meinungen der Radfahrenden gemäss den Verkehrsplanern unterschiedlich. Die einen fühlen sich eingeklemmt, andere schätzen das ungehinderte Fahren, weil sie bei Haltestellen die stehenden Busse sicherer überholen können. Im vorliegenden Fall ist mit einer Breite von 1,4m des Radstreifen jedenfalls eine grosszügige Lösung realisiert worden.

Es ist den Stefan Juch und Paul Rosenberg jedoch klar, dass es auch mit der vorliegenden Lösung immer wieder Situationen gibt, in denen alle Verkehrsteilnehmende aufeinander Rücksicht nehmen und die Fahrt verlangsamen müssen. Bis heute sind keine durch diese Verkehrsführung verursachten Unfälle bekannt geworden.

Martin Walker

 

 

 

 

 

 

 

Der Kreisel aus sicht von...

... einem Buschauffeur

Besondere Aufmerksamkeit wird vom Buschauffeur beim Kreisel Gubelstrasse/Dammstrasse verlangt, weil er nicht nur den Kreisverkehr sondern auch die parallel zu seiner Spur fahrenden Auto- und Velofahrer be i der Vortrittsregelung zu beachten hat. Dies ist eine zusätzliche Belastung im Vergleich zu herkömmlichen Kreiseln mit nur einer Zufahrtsspur. Insbesondere beim Rechtsabbiegen in die Dammstrasse besteht ein gewisses Risiko, da der Chauffeur in dieser Situation die hintere linke Ecke eines Gelenkbusses nicht mehr beobachten kann. Er hat somit keine Kontrolle, wie sich übrige Verkehrsteilnehmer beim ausschwenkenden Heck des Busses verhalten. Zu Zwischenfällen ist es – auch dank der besonderen Vorsicht der Buschauffeure - bisher nicht gekommen.

Rolf Gertsch

... einem Autofahrer

Die Einfahrt in den einspurigen Kreisel Gubelstrasse/Dammstrasse ist von der Übersichtlichkeit vor allem vom Gubelloch her, mit der Bushaltestelle unmittelbar vor dem Kreisel, extrem gefährlich. Die Automobilisten wissen oft gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen: Nach links, auf den vortrittsberechtigten Kreisverkehr? Nach rechts auf den Bus – steht der noch auf der Haltestelle, will er wegfahren, fährt er schon? Wer denkt da daran, dass sich zwischen Bus und Auto auch noch ein Velofahrer befinden könnte?

Idealer und vor allem sicherer wäre in jedem Fall ein von Auto- und Busspur getrennter Radstreifen.

Michael Fürrer

.. einem Velofahrer

Beim Befahren des Velostreifens beim Kreisel Gubelstrasse/Dammstrasse habe ich schon mehrmals festgestellt, dass Automobilisten mich kurz vor dem Kreisel überholen und mir dann, vor mir über den Radstreifen nach rechts in den Kreisel hinein fahrend, den Weg abschneiden. Sie konzentrieren sich dann nur noch auf die links kommenden Fahrzeuge im Kreisel und vergessen den Velofahrer auf dem Radstreifen rechts. Sicheres, frühzeitiges Einspuren in die Mitte der Fahrspur der Automoblisten - wie bei anderen Kreiseln - ist mit der vorliegenden Lösung nicht vorgesehen.
Buschauffeure sind als Verkehrsprofis generell sehr umsichtig und lassen für Velofahrende nur selten kribblige Situationen entstehen..

Daniel Mülli

 

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