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Velo und öffentlicher Verkehr (öV)- ein Traumpaar?

Die Interessen des öffentlichen Verkehrs lassen sich mit jenen des Velofahrenden nicht immer auf einen Nenner bringen. Im Konzept "Bahn und Bus aus einem Guss" hat das Velo sprichwörtlich kaum Platz.

Die IG Velo Schweiz hat dieses und nächstes Jahr einen Schwerpunkt zum Thema Velo und öffentlicher Verkehr gesetzt. An der jährlichen Sitzung der IG Velo Zug mit Vertretern des Kantons und der Stadt Zug stand deshalb dieses Thema im Zentrum. Vertreter der Zuger Verkehrsbetriebe ( ZVB) und des Amts für öffentlichen Verkehr (AöV) folgten der Einladung des Amts für Raumplanung (ARP) und ergänzten die Gesprächsrunde vom 30.06.2006.

Öffnen von Busspuren für Velofahrende

Die ZVB hat mit dem kombinierten Bus-/Velofahrstreifen auf der General-Guisan-Strasse gute Erfahrungen gemacht. Es kam bisher zu keinen Konflikten. Rolf Gertsch (Leiter Personentransport, ZVB) weist darauf hin, dass dies vor allem auf die vorhandene Fahrstreifenbreite zurückzuführen sei. Die IG Velo Zug würde es begrüssen, wenn eine solche Lösung zum Beispiel auch auf der Baarerstrasse in Zug (stadteinwärts) und auf der Chamerstrasse zwischen Chollermüli und Steinhauserstrasse realisiert würde. Diese Vorschläge stossen jedoch auf wenig Gegenliebe. Allen ist klar, dass es keine generelle Lösung gibt und jede einzelne Strecke untersucht werden müsste. Hans-Kaspar Weber (Leiter AöV) weist darauf hin, dass mit solchen Speziallösungen Velofahrende bald nicht mehr wüssten, wo das Velofahren auf Busspuren erlaubt ist und wo nicht. Zudem sind auch die massgeblichen geltenden Normen des Strassenbaus zu beachten. Es besteht deshalb zurzeit nur wenig Aussicht, dass weitere Busspuren für Velofahrende geöffnet werden.

Veloparkplätze bei Bushaltestellen

Nur an wenigen Bushaltestellen ist auch ein Veloabstellplatz vorhanden. Für ein Umsteigen vom Velo auf den Bus besteht erst ab einer Distanz von 300 m Bedarf. Die IG Velo Zug hat auf einer Karte des Kantons Zug diejenigen Bushaltestellen eingezeichnet, die für solche Umsteigevorgänge in Frage kommen könnten. Es betrifft dies vor allem Bushaltestellen in den Gebieten von Baar, Hünenberg und Steinhausen. Das ARP wird mit diesen Gemeinden Kontakt aufnehmen, um auf notwendige Veloabstellplätze bei Bushaltestellen aufmerksam zu machen.

Das AöV legt seinerseits bereits im Rahmen der Ortsplanungsrevisionen Wert darauf, dass öV-Haltestellen für Fussgänger und Velofahrer gut erschlossen sind. Auch die ZVB weist die Gemeinden jeweils auf fehlende Veloabstellplätze hin. Da die Ausgestaltung der Bushaltestellen jedoch in der Kompetenz der jeweiligen Gemeinde liegt, kann kein Zwang ausgeübt werden.

Velomitnahme mit Bussen

Die ZVB akzeptiert Velo-Transporte im Bus, solange genug Platz vorhanden ist. Auf den Berglinien gibt es zudem die Heckveloträger. Richtung Schönegg/Zugerberg sind diese - bedingt durch die Position der Motoren im Heck der Busse - leider nicht mehr vorhanden. Im Moment ist ein Verbot für Velotransporte kein Thema. Aufgrund des Zeitverlustes an den Haltestellen beim Ein- und Ausladen von Velos ist ein solches Verbot jedoch im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des öV-Feinverteilers (Termin: 2012) nicht ganz ausgeschlossen.





Thema Velo auf der ZVB-Homepage

Erst aunlicherweise ist auf der ZVB-Homepage das Thema Velo nicht existent. Die ZVB versprach, sich dieser Sache anzunehmen. Dies ist auch dringend nötig, nachdem für viele unklar ist, welches Ticket innerhalb des Tarifverbunds Zug zu lösen ist. Bei den SBB kann nämlich für kurze Strecken ein Ticket zum halben Preis gelöst werden. Rolf Gertsch verspricht eine Rubrik mit den Velotransportmöglichkeiten und den entsprechenden Ticket-Preisen aufzuschalten.

Doppelgelenkbusse und Velo

Auf die Einführung des öV-Feinverteilers wird auch die Anschaffung von Doppelgelenkbussen geprüft. Die ZVB sehen mit der allfälligen Einführung von Doppelgelenkbussen keine zusätzliche Gefahr für Velofahrende, weil diese Busse nicht länger seien, als die vorhandenen Anhängerzüge.

Asymmetrische Mittellinie auf Bergstrecken

Die IG Velo Zug begrüsst die Realisierung von asymmetrisch angeordneten Mittellinien. Stadt und Kanton Zug haben dies mit der einseitigen Anordnung von Radstreifen (bergwärts) bereits umgesetzt, beispielsweise auf der Strecke Richtung Schönegg. Sie bemüht sich diese Variante wo möglich auch in Zukunft umzusetzen.

Situation Bushaltestelle Stampfi

Leider gibt die Gestaltung der Bushaltestelle Stampfi und die dortige Radwegführung zu Konflikten Anlass. Weder die ZVB noch die Velofahrenden sind mit der heutigen Lösung zufrieden. Offensichtlich beachten Velofahrende die "Kein Vortritt"-Signalisation beim Wechsel vom Radweg auf den Busfahrstreifen nicht. Die Stadt Zug wird sich dieser Sache nochmals annehmen.

Kreiselproblematik

Mit der Realisierung des neuen Kreisels Gubel-/Dammstrasse wollte die IG Velo Zug auch wissen, wie die Vortrittsregelung aussieht, wenn ein Motorfahrzeug, ein Velo und ein Bus miteinander am Kreisel anlangen. Die Stadt Zug hat diese Situation beim Rechtsdienst des ASTRA abklären lassen. Demnach kommt 1. das Motorfahrzeug, 2. das Velo und 3. der Bus. (Zudem gilt auch hier die Regelung, wonach ein Fahrzeug, das sich schon im Kreisel befindet, Vortritt hat). Die IG Velo Zug appelliert, das die Fahrbahnverschwenkungen im Zusammenhang mit Busspuren oder Mittelinseln weniger eng ausgestaltet werden, um Velofahrenden mehr Sicherheit zu bieten.

Anliegen der ZVB

Das Überholen eines Velos durch einen Bus stellt immer eine Konfliktsituation dar und ist für den Buschauffeur unangenehm und allenfalls auch mit einem gewissen Risiko behaftet. Nachdem auf flachen Strecken Velofahrende und Busse häufig fast gleich schnell unterwegs sind, kommt es zu zahlreichen gegenseitigen Überholmanövern. Die ZVB würde es deshalb begrüssen, wenn Velofahrende den Bus aus der Bushaltestelle ausfahren lassen würden, ohne ihn "noch schnell" zu überholen.

Diese nicht abschliessende Aufstellung zeigt, dass beide Seiten sehr wohl etwas beitragen können, damit der öV und das Velo doch noch ein Traumpaar werden…

Urs Ehrensperger

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